Der richtige Mindset. Ein Mythos?

Wenn Denken als Lösung zur Selbstoptimierung verkauft wird, sind wir oft auf der falschen Fährte.

 

 

„Du musst nur anders denken.“

 

Das ist wahrscheinlich einer der meistgesagten Sätze unserer Zeit. In Coaching-Sprache. In Motivationsposts. In Erfolgs-Formeln.
In gut gemeinten Ratschlägen. Und ja: Denken beeinflusst, wie wir leben. Aber der Mindset-Hype hat eine Schattenseite. Er tut so, als wäre alles eine Frage der inneren Haltung.
Und als wären äußere Bedingungen nebensächlich. Das ist nicht nur zu kurz gedacht.
Es ist eine subtile Form von Schuldverschiebung.

 

 

 

Mindset wird oft dann betont, wenn man über das Außen nicht sprechen will. 

  • Wenn eine Arbeitswelt krank macht, wird nicht über Arbeitsbedingungen gesprochen, sondern über Resilienz. 
  • Wenn Menschen keine Zeit haben, wird nicht über Tempo gesprochen, sondern über Prioritäten. 
  • Wenn Frauen überfordert sind, wird nicht über Rollen gesprochen, sondern über Grenzen setzen.

 

Das Muster ist simpel: Das Problem wird ins Individuum verlagert.
Und damit wird es scheinbar lösbar. Aber nur um den Preis, dass man die Realität ausblendet.

 

 

 

Nicht alles ist ein Glaubenssatz. Manches ist ein Fakt. Man kann nicht alles wegcoachen. 

 

  • Wenn jemand zu wenig verdient und die Fixkosten steigen, hilft kein „Fülle-Mindset“.
  • Wenn jemand permanent allein Verantwortung trägt, hilft kein „Positiv denken“. 
  • Wenn jemand in einem Umfeld arbeitet, das Grenzen nicht respektiert, hilft keine Affirmation.

 

Man kann sich vieles schönreden. Aber man zahlt dafür. Mit innerer Spaltung.

 

Denn der Körper lebt in der Realität, während der Kopf versucht, sie zu übertünchen.

 

 

 

Die neue Selbstoptimierungsfalle: „Wenn du’s nicht schaffst, denkst du falsch“.  Mindset wird oft als Ermächtigung verkauft. Und manchmal ist es das auch. Aber sehr oft wirkt es wie ein stiller Druck:

 

  • Wenn du scheiterst, bist du schuld.
  • Wenn du müde bist, hast du dich nicht genug „ausgerichtet“.
  • Wenn du nicht glücklich bist, denkst du falsch.

 

Das macht Menschen nicht freier. Ich meine, das macht sie still. Weil sie sich selbst misstrauen.
Weil sie ihre Signale nicht mehr ernst nehmen. Weil sie glauben, sie müssten nur „noch besser werden“. Und so wird aus Entwicklung eine Endlosschleife an Selbstoptimierungsversuchen.

 

 

 

Denken und mentale Ausrichtung sind wichtig. Keine Frage. Aber es ist nicht alles.  Klarheit entsteht nicht nur im Kopf. Klarheit entsteht, wenn man ehrlich zu sich wird und die Selbstoptimierung mal über Bord wirft.

 

Wenn man sagt:

 

 

Und das ist oft der Beginn von echter Veränderung. Wenn Denken als Lösung verkauft wird, obwohl das Problem in den Umständen und im Umfeld liegt, wird „Mindset“ zur Ausrede – und das Leben zur Selbstoptimierungsfalle.

 

 

Vielleicht brauchen wir weniger „positives Denken“.
Und mehr mutige Inne-schau.